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Graz, 26. Oktober 2016

Götterdämmerung: Creative Cities, neu gedacht

Die Grundthese klingt einleuchtend: Je mehr Kreative (Designer, Wissenschaftler, Künstler, Unternehmer u.ä.) unterschiedlichster Herkunft (Stichwort: Diversity) in einer Stadt leben, desto mehr beleben sie die Wirtschaft und sorgen für eine Aufwertung der Stadt. Fördert man also die „Creative Class“, ergänzt um High-Tech-Industrien und Start-ups, prosperiert die Gesellschaft. Richard Florida war und ist einer der prominentesten – und umstrittensten – Vordenker und Verbreiter dieser Ansätze.

 

In vielen Projekten weltweit wurden diese und ähnliche Ideen umgesetzt. In vielen Städten hat das funktioniert, in manchen auch nicht. Vierzehn Jahre nach Erstveröffentlichung des Standardwerks „The Rise of the Creative Class“ ist Ernüchterung eingekehrt. Einerseits. Andererseits brachte diese Bewegung auch eine Renaissance der urbanistischen Wissenschaften. Und damit wurden die Probleme der Städte auch von anderen Denkern hinterfragt und beleuchtet. Dass etwa die Gentrifizierung der Städte ein Problem darstellt, ist mittlerweile ein praktisch wie theoretisch gut untersuchtes Phänomen.

 

Auch Florida selbst änderte und erweiterte seine Thesen. 2010 postulierte er in „The Great Reset“ die These, dass – nach der Wirtschaftskrise des beginnenden 21. Jahrhunderts – der „Spatial Fix“ der Zukunft in der „Megaregion“ liege.

 

Und im April 2017 wird sein neues Buch erscheinen: „The New Urban Crisis / How Our Cities Are Increasing Inequality, Deepening Segregation, and Failing the Middle Class – and What We Can Do About It“

 

Die Hypothesen und Annahmen über die „Creative Class“ in „Creative Cities“ ändern sich also mit den geänderten Realitäten. Richard Florida im O-Ton in einem Artikel von Lydia DePillis im Houston Chronicle: „The urban pessimists have a point,“ Florida says. „We neglected their point, which is that cities are gentrifying, people are being priced out, displaced from their homes. I think we need a new vision for cities that combines an optimistic viewpoint with an understanding of the challenges that re-urbanization brings.“

 

>> The re-education of Richard Florida / A rock-star urbanist walks back some of his creative class teachings.

 

 

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